Wie lässt sich eine Flockungsmittel-Leckage beseitigen?

Flockungsmittel sind Polymere und werden in erster Linie dazu verwendet, um Abwässer zu klären, die Schwebstoffe enthalten. Bei einem unabsichtlichen Verschütten wird die mit Flockungsmitteln kontaminierte Oberfläche des Bodens extrem rutschig. Wenn die Reinigung nicht extrem gründlich ist, reicht schon der geringste Kontakt mit Wasser, um eventuell schwere Stürze zu verursachen.

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In diesem Artikel erfahren Sie mehr über die Eigenschaften von Flockungsmitteln, ihre Anwendungsgebiete und unsere Hinweise zum Verhalten bei Leckagen.

Was versteht man unter Gerinnung und Ausflockung?

Gerinnung und Ausflockung stellen zwei Phasen bei der Abwasserbehandlung dar, die gemeinsam eingesetzt werden, um feste Schwebstoffe in trübem Wasser abzusondern. Auch wenn sie komplementär sind, darf man die Verfahren der Gerinnung und Ausflockung nicht verwechseln, da sie weder auf die gleichen chemischen Stoffe noch mit den gleichen Mechanismen wirken.

Die Gerinnung wird mithilfe metallischer Mineralsalze auf Eisen- oder Aluminiumbasis erreicht, genannt Gerinnungshilfsstoffe wie etwa dem Eisenchlorid FeCl3. Natürlich sind bestimmte feste Schwebstoffe elektrisch geladen (+ oder -) und stoßen sich folglich untereinander ab, weshalb sie sich nicht anhäufen können. Die Gerinnungsmittel gleichen diese Ladungen aus und ermöglichen es so den festen Partikeln, sich zu sammeln.

Die Ausflockung ist ein physikalisch-chemischer Vorgang, während dessen sich die in einer Flüssigkeit befindenden festen Schwebstoffe zu Flocken anhäufen. Diese Flocken setzen sich schnell am Boden ab oder steigen an die Oberfläche auf, wo sie leicht von der übrigen Flüssigkeit getrennt werden können. Die Ausflockung ist ein natürlicher Vorgang, der durch den Einsatz von Chemikalien, Flockungsmittel genannt, beschleunigt werden
kann.

Die Flockungsmittel:

Es gibt verschiedene Arten von Flockungsmitteln, die anionisch (negative Ladung), kationisch (positive Ladung) oder nicht-ionisch (ohne Ladung) sein können. Die üblichsten Flockungsmittel wurden auf Basis eines Polymers hergestellt, dem Polyacrylamid. Sie werden in festem oder flüssigem Zustand oder als Emulsion verkauft, die wichtigsten Hersteller von Flockungsmitteln in Europa sind: Kemira, SNF Floerger, BASF, Solenis, Solvay …

In der Industrie ist die Abwasserbehandlung
 derjenige Bereich, der am häufigsten Flockungsmittel einsetzt. Sie werden für die Behandlung von Schlämmen, aber auch zur Klärung von Trinkwasser verwendet. Die Papierindustrie ist eine Branche, die enorm viel Wasser verbraucht und Schlämme produziert, weshalb hier der Einsatz von Flockungsmitteln ebenfalls sehr verbreitet ist.

Privatpersonen setzen Flockungsmittel ein, um das Wasser ihrer Pools zu klären, wenn es trüb geworden ist. Durch den Zusatz eines Flockungsmittels häufen sich Feststoffe an und können so gefiltert werden.

Welcher Nachteil besteht bei der Verwendung von Flockungsmitteln?

Trotz ihrer sehr großen Effizienz haben Flockungsmittel einen bedeutenden Nachteil: Bei Verschütten oder wenn Rückstände an Schuhsohlen haften bleiben, kann der geringste Kontakt mit Wasser zur Katastrophe führen. Denn bei Kontakt mit Wasser löst sich das Flockungsmittel auf und wird zu einem dickflüssigen Gel, ähnlich einem Haargel. Dieses Gel verwandelt den Boden in eine Rutschbahn und erhöht so die Sturzgefahr drastisch.

Aufgrund ihrer Eigenschaften werden Flockungsmittel dem Wasser nur in ganz geringen Anteilen (weniger als 0,1 %) zugesetzt. Selbst stark verdünnt sind sie also noch sehr effizient. Selbst nach einer Reinigung genügen deshalb schon kleinste Rückstände von Flockungsmitteln, um den Boden bei Zugabe von Wasser rutschig werden zu lassen (beispielsweise beim Wischen oder bei Regen).

 → Deshalb ist es sehr wichtig, Rückstände von Flockungsmitteln vollständig zu beseitigen, um Unfällen vorzubeugen.

Wie lässt sich ein mit Flockungsmitteln verunreinigter Boden säubern?

Falls ein Flockungsmittel verschüttet wurde, ist eine Reinigung mit viel Wasser unbedingt zu unterlassen! Dies würde die Säuberung noch schwieriger machen.

Das Absorptionsmittel Polycaptor® ist ein synthetisches Pulver, das eigens entwickelt wurde, da seine Eigenschaften die Trocknung und die Reinigung von verschütteten zähflüssigen Flüssigkeiten wie Flockungsmitteln erlauben. Dieses Absorptionsmittel besteht aus extrem porösen Körnern, die die Flüssigkeit aufgrund ihrer Kapillarwirkung in ihr Inneres saugen. Im Anschluss kann die Flüssigkeit vollständig aufgenommen werden, ohne Rückstände zu hinterlassen. Da alle Rückstände an Flockungsmitteln aufgenommen wurden, ist die Rutschgefahr auch bei einem späterer Zugabe von Wasser gering.

Es gibt noch weitere Möglichkeiten, verschüttete Flockungsmittel zu beseitigen, doch raten wir von ihnen ab, da sie einige gravierende Nachteile aufweisen:

Mineralische Absorptionsmittel: Klassischerweise werden bei Leckagen in der Industrie mineralische Absorptionsmittel wie Kieselerde, Sand oder Sepiolith eingesetzt, um die verschüttete Flüssigkeit zu absorbieren. Diese Pulver bestehen aus leicht porösen Körnern aus zerkleinertem Fels. Ihre Wirkung auf Flockungsmittel ist begrenzt:

Javelwasser oder Natriumhypochlorit kann verwendet werden, um Flockungsmittel auf Basis von Polyacrylamid zu zersetzen. Da Jawelwasser ein starkes Oxidationsmittel ist, trennt es bestimmte Polymerketten und führt so zum Verlust ihrer Konsistenz und folglich ihres Fließpotenzials. Dieser Vorgang ist jedoch ziemlich gefährlich, da Javelwasser auf andere Eigenschaften des Polymers reagieren und gefährliche flüchtige Chloramine bilden kann: Chloramine führen beim Einatmen zu Reizungen und sind allergen; zudem können sie langfristige Atmungsprobleme hervorrufen. Javelwasser selbst ist eine ätzende und sehr reaktive Chemikalie, die nur von geschulten Personen mit geeigneter Schutzausrüstung verwendet werden darf.

Um Verschüttungen von Flockungsmitteln zu beseitigen, empfehlen wir, möglichst auf Wasser, mineralische Absorptionsmittel oder Javelwasser zu verzichten und die Flüssigkeit mit dem abtrocknendem Bindemittel Polycaptor® aufzunehmen.